Grundsätzlich zufrieden

Azubireport GrafikDas Portal „ausbildung.de“ veröffentlicht in regelmäßigen Abständen Studien zur Situation von Auszubildenden in Deutschland. Vor wenigen Tagen ist die neueste Studie „azubi.report 2016“ erschienen. Darin äußern sich die Berufsschüler auch zur Frage, ob sie den erlernten Beruf weiterhin ausüben wollen.

Von den 2180 befragten Berufsschülern gaben mehr als drei Viertel (76,8%) an, bei der Wahl des Lehrberufs darauf zu achten, dass dieser sie auch wirklich interessiere. Gehaltsansprüche oder der Wunsch, in die Fußstapfen der Eltern zu treten, spielten bei der Berufswahl nur für wenige eine Rolle. Die meisten halten sich demgemäß an die vielzitierte Konfuzius-Regel: „Wähle einen Beruf, den du liebst, und du brauchst keinen Tag in deinem Leben mehr zu arbeiten.“

Geringe 6,1% der Befragten hatten vor ihrer jetzigen Ausbildung bereits eine andere Ausbildung begonnen, jedoch nicht beendet. Der Abbruch wurde vor allen damit begründet, dass sie eine andere Vorstellung von der Ausbildung hatten. Andere gaben Probleme mit Vorgesetzten oder Kollegen als Grund an.

Obwohl die Zahl der Abbrecher so gering und die grundsätzliche Zufriedenheitsquote mit 91,1% so hoch ist, merkte trotzdem knapp ein Viertel der Berufsschüler an, den Ausbildungsberuf nicht weiterzuempfehlen. Gründe hierfür seien der Druck am Arbeitsplatz, der niedrige Verdienst oder das Gefühl geringer Wertschätzung trotz harter Arbeit.

Auf den ersten Blick erstaunlich ist, dass 17,9% nicht planen, den gelernten Beruf auch auszuführen, also fast jeder Fünfte. Das passt nicht zur hohen Zufriedenheitsquote. Sieht man sich die Gründe an, ist es jedoch nachvollziehbar. Denn die meisten (87,3%) wollen entweder eine weitere Ausbildung anschließen oder sie warten auf einen Studienplatz. Die Lehre ist also nicht die letzte Stufe der Berufsausbildung.

So interessant all diese Zahlen sind, geben sie jedoch keinen Aufschluss über die einzelne Geschichte. „Grundsätzlich zufrieden“ ist ein sehr dehnbarer Ausdruck. Wenn ein Berufsschüler sein Kreuz bei der Aussage „Probleme mit dem Vorgesetzten“ macht und dies der Grund ist, dass sich ein Berufsweg komplett anders entwickelt als geplant, wäre es wichtig, die Hintergründe zu erfahren. Vielleicht stimmt der Beruf, aber die Unternehmenskultur nicht. Jeder einzelne Fall, in dem ein Azubi angibt, den Druck am Arbeitsplatz nicht zu ertragen oder sich nicht wertgeschätzt zu fühlen, ist ein Fall zu viel und muss hinterfragt werden. Auf den Ausbildungsunternehmen liegt eine hohe Verantwortung, sich um das Wohl ihrer Auszubildenden zu kümmern und sie bei dieser ersten wichtigen Zeit in ihrer Berufslaufbahn bestmöglich zu unterstützen. Und dem einen oder anderen unmotivierten Auszubildenden würde der Rat eines Menschen mit größerer Erfahrung, seien es die Eltern oder ein Lehrer, vielleicht weiterhelfen: Der Wechsel in eine andere Ausbildungsfirma oder in eine andere Ausbildung ist immer eine Option und keine Katastrophe.

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