Zucker-Mädchen mit viel Phantasie

Traum vom eigenen Café - Titelbild Sugar Girls

Wahrscheinlich, weil sie meinen regelmäßigen Seufzer „Und irgendwann mach ich mal noch ein Café auf“ nicht mehr hören konnte, hat mir meine Schwester zum Geburtstag den Bildband „Sugar Girls“ geschenkt. Darin die Geschichten von mehr als 20 Frauen, die ihren Traum vom eigenen Café verwirklicht haben. Und jede davon hat zuvor etwas ganz anderes gemacht.

Der 192-Seiten starke Coffee-Table-Wälzer ist schon auf so manchem Food-, Back- und DIY-Blog vorgestellt worden. Auf einem Berufe-Blog aber sicher noch nicht. Das hole ich also hier nach. Der diesen März im Callwey Verlag erschienene Bildband verkauft sich wohl wie geschnitten – hmm – Kuchen und liegt jetzt schon in dritter Auflage im Buchhandel. Garniert mit vielen schönen Bildern der Fotografin Ulrike Schacht, stellen die Autorinnen Jana Henschel und Meike Werkmeister zwanzig  glückliche Café-Betreiberinnen und ihre jeweiligen Konzepte vor.

Der Traum vom eigenen Café

Die kreativen Einrichtungen, die Hands-on-Mentalität der Frauen, die leckeren Rezepte, viele hilfreiche Tipps für Gleichgesinnte – alles sehr inspirierend. Am meisten jedoch haben mich die Geschichten interessiert, woher die Gründerinnen kamen. Was sie dazu brachte, Neuland zu betreten und ein Café zu eröffnen. Welche Widerstände sie zu überwinden hatten, welche Zweifel sie plagten und welche Rückschläge sie einsteckten.

  • Christina, die als Tourmanagerin arbeitete und Opernstars betreute, suchte nach der Kinderphase eine neue Aufgabe und fand sie in einer Café-Märchenwelt.
  • Die PR-Assistentin Dorte zog aus privaten Gründen von der Großstadt aufs Land. Gegen die Langeweile eröffnete sie im eigenen Schafstall ein ländliches Café-Idyll und beliefert jetzt einmal im Jahr die Bands des Heavy-Metal-Festivals in Wacken.
  • Die drei Bs – Barbara, Beatrice und Britta – kannten sich nur vom Sehen, als sie sich für ein gemeinsames Café-Projekt zusammenfanden. Aus verschiedenen Gründen wollten oder konnten die Mütter nicht in ihren ursprünglichen Beruf Bildungsreferentin, Anwaltsgehilfin und Grundschullehrerin zurück.
  • Anke vertraute als Studentin und angehende Übersetzerin ihrem England-Traum und eröffnete als frischgebackene Mama einen englischen Tea Room.
  • Brit war Controllerin bei einer Versicherung, richtete nebenberuflich aber schon seit längerem das Catering für Hochzeiten und Veranstaltungen aus. Nach einer Nicht-Beförderung kündigte sie und wagte den professionellen Schritt in ihre wahre Leidenschaft.
  • Als Friseurin gerade ausgelernt, fand Isabell als angestellte Barista in ihren Traumberuf, so dass das eigene Café nicht lange auf sich warten ließ.
  • Mit einem Volkswirtschaftsstudium als Basis machte Morlen ihren Nebenjob als Einrichtungsfachfrau zur Profession. Ein Interior-Design-Studium später entdeckte sie während eines Jobs einen wunderschönen Raum und entschloss sich spontan, dort ein Café einzurichten.
  • Stefanie fing als Gestalterin für visuelles Marketing den Frust über die im Beruf fehlenden Möglichkeiten für ihre Kreativität beim privaten Backen auf, so dass langsam die Idee für das eigene Café keimte.
  • Elke hatte sich aus Sicherheitsgründen für eine klassische Beamtenlaufbahn entschieden, aber bald gemerkt, dass ihr Herz eigentlich für die Gastronomie schlägt.
  • Innenarchitektin und Kunstlehrerin Christin suchte nach einem Ort, wo sich vor allem Kinder wohlfühlen, und schuf ein Paradies, wo es neben Spiel- und Bastelsachen auch leckeren Apfelkuchen und Waffeln gibt.
  • Jasmin war gelernte Veranstaltungskauffrau, bevor sie ein Café startete, und antwortete auf die Frage des Bankberaters, ob sie keine Angst habe: Angst habe sie nur, mit 65 zu denken: Hättest du das mal gewagt!
  • Violetta war als Gestalterin für visuelles Marketing eigentlich zufrieden, hegte aber immer schon den Gastro-Traum, der sie dann auch bald einholte.
  • Augenoptikerin Sandra kam mit ihrem Lebensgefährten, einem Tischler, über die eigene Kaffeerösterei zum Ladenlokal. Inzwischen haben sie vier Filialen.
  • Als Kauffrau im Büro eines Autohauses fehlte Diana die Möglichkeit, ihre kreative Seite einzubringen. In der Gastronomie war das anders.
  • Carola hatte Musik, dann Anglistik und Germanistik studiert, als Regieassistentin, Stagemanagerin, Dramaturgin, Regisseurin, Theaterpädagogin und Projektleiterin gearbeitet – parallel dazu aber immer in der Gastronomie gearbeitet.
  • Hotelfachfrau Doreen arbeitete als Rezeptionistin in einem Ferienclub, dann im Vertrieb – beste Voraussetzungen für ein eigenes Café.
  • Nina und Angela taten ihre kreativen Fähigkeiten als Visagistin und Hobby-Bäckerin zusammen und ließen etwas Neues entstehen.
  • Die gelernte Dekorateurin Anne arbeitete als Set-Designerin beim Film. Trotz des Traumjobs suchte sie die Unabhängigkeit.
  • Kirsten war als Stewardess 15 Jahre lang in der Welt unterwegs. Um wieder ein Zuhause zu finden, eröffnete sie zuerst nur tageweise ein Café in ihrer Heimatstadt.

Ist es nun angesichts der unterschiedlichen Lebensläufe der Gründerinnen völlig egal, welchen Beruf sie vorher ausübten? Ganz sicher nicht, weiß auch die ehemalige Kauffrau Sandra: „Von irgendetwas sollte man eine Ahnung haben, wenn man ein Café aufmacht. Entweder ist man eine gute Bäckerin, eine gute Kauffrau oder ein guter Stilist. Ohne irgendein Talent wird es schwer, und ohne Ideen sowieso.“

Eignen sich eigentlich Journalistinnen zur Café-Besitzerin? Ich warte auf den Fortsetzungsband.

 

Fotocredit: MS

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